Oliver Scharfbier - Im Schatten meiner Batterie - Licht / Virus / Spektakel, Vernissage Fr. 04. September, 19 Uhr, 04.09. - 30.11.09
Brunnenstr. 149, 10115 Berlin
Zur Vernissage am 4. September ’09, um 19 Uhr sind Sie und Ihre Freunde recht herzlich eingeladen. Zur Eröffnung spricht Frau Dr. Dorothée Bauerle-Willert.
zone B zeigt eine neue Arbeit Oliver Scharfbiers, einen energetischen, immateriellen und existentiellen Körper aus Holz, Metall und Leuchtstoffröhren im Kontext zu Tafel-Bildern und Text Arbeiten.
[...] und nun für die Galerie zone B in Berlin die Große Trommel als Partitur für Björn Achilles, die in der Ausstellung Im Schatten meiner Batterie – Licht/Virus/Spektakel zur Aufführung kommt. Schon der Titel der Inszenierung provoziert und balanciert verschiedene Lesarten oder Interpretationsversuche, lebt von persönlichsten, aber auch gesellschaftlichen Implikationen, die dann die Einzelelemente der Raumanordnung (und den Betrachter) wie in einem Netz fangen, gefangen nehmen oder auch irreleiten. Die Batterie ist natürlich der Energiespeicher, läßt aber auch das französische Wort für Drum/Schlagzeug anklingen. Wir alle leben mit Debord in der Gesellschaft des Spektakels als einer Scheinwelt aus Clichés, Propaganda, Surrogaten mit ihren vulgarisierten Pseudofesten, mit den Parodien des Dialogs und der Gabe, wir sind infiziert und infiltriert von Erwartungen, Einflüssen und Einflußangst: seit Flavin ist der Einsatz von Neon seiner ursprünglichen Bedeutung zum Trotz ja nicht mehr neu. In Scharfbiers Raum nun wird die Lichtkunst aus Kunstlicht eher beiläufig weitergetrieben und Flavins spirituelle Überhöhung der Minimal Art wird noch einmal und überraschend angereichert. Natürlich kreist der Titel auch um die Batterie von deutscher Geschichte, die uns mit Sinn und Last belädt oder er identifiziert unsere Geschichte als Batterie für den Künstler, als Vermächtnis und Quelle des kreativen Anders-und Bessermachens. Oder bezieht er sich auf die Kunst als Energie-Wandler, ist die Batterie hier gemeint als Motorenersatz in schwachen Zeiten, ein Reststromspeicher des Guten? Ganz nonchalant und ohne Schrecken vor großen Themen läßt Oliver Scharfbier solche Deutungen zu, zugleich entzieht sich das Gesamt der Inszenierung einer einsinnigen Fixierung, bleibt im Schatten der Verantwortung. Die Große Trommel, ein Gebilde, das auf den ersten Blick ein Solarium oder einen grell beleuchteten Operationstisch assoziieren läßt, wiederum aus Leuchtstoffröhren gebaut, lapidar gesockelt, oszilliert zwischen Einpassung und Gegenläufigkeit in und zum frei schwebenden Titel, entwirft in seiner schillernden Artverwandtschaft neue Bögen und Fragen. Die Fragmente der Ausstellung sind vieldeutig und leben doch von der einmaligen Präsenz und von der Bewegung in ihr: Im Zusammenklang mit den ‚Bildern’, dem poetischen Text Ich jedoch entfliege auf pinkfarbenen Grund und dem Klebestreifen-Gitter auf spiegelnder Fläche, die den Betrachter ins Bild hineinzieht, ergibt die Installation für die Galerie zone B eine Rebusfolge (Rebus = durch die Dinge) aus Bildern und Zeichen, verstörend, luzide, subversiv und kühn.
Dr. Dorothée Bauerle-Willert
Parallel zur Ausstellung in der Brunnenstr. 149, 10115 Berlin zeigt unserer Essener Dependance zone E drei Arbeiten von Oliver Scharfbier auf der Berliner Kunstmesse Preview (25.09.- 27.09.2009).
In einer für die Preview konzipierten Semantik werden „Der 13 Krieger" und der "Survivor mit Silberfelge“ sowie eine Turmkonstruktive Arbeit in Bezug gesetzt.
Der 13. Krieger, Zentrum des Enviroments, erinnert an ein energetisch aufgeladenes Floß. Aus Bauholz, Mofareifen, Wellplaste und rostigen Sprungfedern gefertigt und mit 12 Leuchtstoffröhren illuminiert, erweckt die Installation den Eindruck eines uralten neuen Transportmittels mit immaterieller Funktion.
Die ausgestellten Arbeiten zeichnen sich durch den souveränen Umgang mit armen Materialien aus. Sie erinnern an Dinge die es so nie gab, die also durch das künstlerische Konstrukt und deren Konstruktion erst zu einer Existenz finden mussten, und suggerieren uns trotzdem eine vertraute, unerträgliche Wahrheit.
Oliver Scharfbier wurde 1967 in Hamburg geboren, absolvierte sein Studium in Kassel bei Prof. Urs Lüthi und stellt seit nunmehr 10 Jahren national und international aus. Über mehrere Jahre Studienreisen im Balkan, u.a. Serbien, Montenegro, Kosovo, Albanien, Bulgarien. Er lebt und arbeitet in Berlin.

weitere Infos zu Oliver Scharfbier
|